Erinnerung an den Großpolnischen Aufstand in der Zwischenkriegszeit, während des Bestehens der Volksrepublik Polen und in der III. Rzeczpospolita
Paweł Anders
Der Großpolnische Aufstand – eines der wichtigsten Ereignisse in der Geschichte der Region – hinterließ eine Reihe von weiter fortbestehenden Elementen. Ein Teil von ihnen, wie etwa die Gräber der Gefallenen, entstand gleichsam zwangsläufig. Andere wiederum wurden zum Gedenken an diesen Abschnitt unserer Geschichte – sowohl an den Aufstand selbst als auch an die einzelnen Ereignisse, verdiente Personen u.ä. erschaffen. Die meisten der mit dem Aufstand zusammenhängenden Gedenktafeln und Denkmäler wurden in den Orten der stattfindenden Kämpfe errichtet, aber auch in anderen Orten – wo die patriotischen Traditionen lebendig waren, wo der Aufstand als ein wesentliches Element unserer Geschichte betrachtet wurde, und außerdem in den Orten, aus welchen die Teilnehmer der damaligen Ereignisse stammten.
Die Gräber der Gefallenen waren die ersten Orte, die an die aufständischen Kämpfe erinnerten. Die Opfer gaben ihr Leben für den Kampf um die Freiheit, und die Lebenden Mitbürger begriffen sehr gut die Bedeutung und Reichweite dieses Ereignisses, den Zweck seines Zelebrierens und seiner Nutzung für die Stärkung des Patriotismus. Daher hatten die Begräbnisse der gefallenen Aufständischen einen überwiegend demonstrativen Charakter, und es nahmen an ihnen viele Personen teil. Das erste symbolische Begräbnis der Aufständischen war die Bestattung von Antoni Andrzejewski und Franciszek Ratajczak – der ersten Opfer der Kämpfe in Posen – am 1. Januar 1919 am Friedhof von Górczyn, an der offizielle Personen, sieben Pfarrer und eine große Mengen der Posener teilnahmen, an einer ehrenvollen Stelle, zwischen der Hauptpforte und Leichenhalle. Am ersten Jahrestag des Ausbruches des Aufstandes wurde an der Stelle, wo Ratajczak durch neun Kugeln getroffen wurde, eine Gedenktafel errichtet; anfänglich war sie aus Holz (und über ihr hing eine ähnliche Tafel, die an A. Andrzejewski gedachte), wurde dann aber im Jahr 1928 durch eine Tafel aus Gusseisen ersetzt. Im Jahr 1923 wurde die sich damals an dieser Stelle befindende Rycerska-Straße in Ratajczaka-Straße umbenannt.
Es war bezeichnend, dass die Körper der Opfer in den meisten Fällen in die Wohnorte der Gefallenen gebracht und an den lokalen Friedhöfen begraben wurden. Sogar die Asche derjenigen, die jenseits der vorkriegszeitlichen Staatsgrenze gefallen sind, wurden – bevor in Deutschland die Nazis an die Macht gekommen sind – exhumiert und in die Heimat zurückgebracht: so im Jahr 1928 acht Personen aus Kargowa nach Wielichów, und im Jahr 1931 vier Gefallene aus Sulechów nach Zbąszyń. Bei Międzyrzecze gelang das nicht. Es befindet sich dort immer noch ein Grab mit sechs Aufständischen am alten Friedhof, weit weg von der Heimat.
Die Gräber der Gefallenen wurden meistens an Ehrenplätzen eingerichtet: im Zentrum des Friedhofs (Krotoszyn, Opatów bei Kępno), an der Hauptallee (Mogilno, Rozdrażew), manchmal an ihrer Achse (Ostrzeszów, Żnin), und manchmal sogar an der Kirche (an der Kapelle, an der Leichenhalle, wie in Rosko und in Kruszwica). Es entstanden ferner zwei Mausoleen der gefallenen Helden: von Feliks Pięta in Bukowiec bei Nowy Tomyśl und von Franciszek Sowiński in Krotoszyn. Diese Grabstätten, um die man sich sorgfältig kümmerte, die renoviert und modernisiert wurden, tragen dazu bei, dass die lokalen Helden in Erinnerung behalten werden.
Eine Ausnahme unter den Gräbern der Aufständischen bildet das Grab von drei unweit von der Siedlung Pławisko in Puszcza Notecka (Netze-Urwald); sie stammten aus Grzebienisko und Oporowo bei Ostroróg, starben bei einem Gefecht im Juni 1919 und wurden an der Stelle des Gefechts bestattet. Den Friedhof, an dem 58 Teilnehmer der Kämpfe um die Obra-Linie bestattet sind, wurde im Jahr 1924 in Nowa Wieś Zbąska eingerichtet (samt einem Denkmal, das drei Jahre später errichtet wurde). Ein sehr großes Karree mit den Gräbern der gefallenen Aufständischen befindet sich auch am Abhang der Zitadelle Posen – dort befinden sich insgesamt 391 Gräber der Opfer der Kämpfe aus den Jahren 1918-1920.
Die später verstorbenen Teilnehmer des Aufstandes wurden für gewöhnlich in Familiengräbern bestattet. Gegenwärtig werden diese Gräber an den Friedhöfen ausfindig gemacht und gekennzeichnet. Manchmal wurden auf die Initiative der Kriegsveteranen-Verbände spezielle Karrees eingerichtet, auf welchen diejenigen den ewigen Frieden fanden, die um den Anschluss Großpolens an den wiedererstehenden polnischen Staat kämpften. Solche Stellen befinden sich u.a. in Bojanowo, Krotoszyn, Leszno, Ostrów Wielkopolski, Poniec, Środa Wielkopolska und auf dem Junikowski-Freidhof in Posen. Ein kleineres Karree mit den Gräbern der Teilnehmer des Großpolnischen Aufstandes befindet sich sogar in Gorzów Wielkopolski – dort, wo die Aufständischen ein viertel Jahrhundert später damit angefangen haben, die Wiedergewonnenen Gebiete (Ziemie Odzyskane) zu bewirtschaften.
Es sind auch zwei spezielle Andenken aus der Zeit der aufständischen Kämpfe erhalten geblieben, die zudem noch genau datiert sind: deutsche Patronenhülsen. Sie blieben (am 6. Januar) in der Wand des Mietshauses in der Straße Dworcowa 41 in Inowrocław und (am 12. Februar 1919) im Kirchturm in Sulmierzyce stecken.
Als erstes dem Aufstand gewidmete Denkmal wird das – nicht am Grab der Gefallenen aufgestellte, sondern selbständige Monument – nämlich das am 14. Mai 1922 am Eingang des Pfarrfriedhofs in Opalenica errichtete Objekt betrachtet. Leider hat es nicht bis heute überdauert, und an seiner Stelle wurde ein Betonelement mit entsprechender Inschrift aufgestellt. In der Nachbarschaft dieses Ortes steht ein anderes Denkmal, das im Jahr 2004 errichtet wurde.
Im Jahr 1923 wurde zum Grab der ersten Gefallenen die Asche von fünf weiteren Aufständischen gebracht, und im Mai des nächsten Jahres wurde an diesem Grab ein Denkmal nach einem Projekt von Stanisław Jagmin errichtet, das viel größer war als das heutige (nachdem es durch die Nazis zerstört wurde, wurde das gegenwärtige Denkmal erst im Jahr 1968 aufgestellt).
Die Denkmäler und Grabmäler wurden für gewöhnlich durch die lokalen Steinmetze und Bildhauer-Amateure erschaffen. Arbeiten von guten Künstlern stellten eine Seltenheit dar, wie etwa die Denkmäler in Koźmin (von Władysław Marcinkowski aus dem Jahr 1929, das 1985 wiederhergestellt wurde), das Denkmal im Karree der Aufständischen in Środa Wielkopolska (von 1935, das der Meißel von Edward Haupt entstammte) oder das Denkmal in Buk (von Marcin Rożek aus dem Jahr 1927). Eine eher untypische Form des Gedenkens ist das Buntglasfenster aus dem Jahr 1924 in der Pfarrkirche in Inowrocław, das durch den Maler Henryk Jackowski-Nostitz entworfen wurde: im unteren Teil ist eine Gruppenkomposition mit der Aufschrift: „Zum Gedenken an die Befreier von Inowrocław im Jahr 1919“ zu sehen.
Zum Gedenken an die Helden wurden in den Städten an repräsentativen Stellen, an den Jahrestagen des Großpolnischen Aufstandes Bäume gepflanzt. So wurde zum Beispiel in Skalmierzyce bei Kalisz, vor dem Gebäude, das während des Bestehens des preußischen Teilungsgebietes das Zentrum des polnischen Lebens war, am ersten Jahrestag der Wiedererlangung der Unabhängigkeit eine Gedenkeiche gepflanzt. In Kłecko, im Jahr 1929, in der Straße die zum Friedhof führt, auf dem neun gefallene Aufständische ruhen, wurden neun Linden gepflanzt (von denen nicht alle bis heute erhalten geblieben sind).
Einen besonderen Platz unter den Personen, an die man gedachte, nehmen die „ersten Opfer des Aufstandes“ ein. Von einer symbolischen Bedeutung für den gesamten Aufstand ist die Gestalt von Franciszek Ratajczak. Im südlichen Großpolen wurde Jan Mertka zu einer solchen Gestalt. Andere Gefallenen wurden zu Symbolen des Aufstandes für das gegebene Gebiet, und wurden z.B. durch Gedenktafeln oder Straßennamen geehrt. Dazu gehören folgende Aufständische: Michał Rajewicz in Budzyniu, Józef Raczkowski in Chodzież, Stanisław Kuczmerowicz in Czempiń, Walerian Daniel in Janowiec Wielkopolski, Franciszek Masztalerz in Kościan, Franciszek Sowiński in Krotoszyn, Stefan Wittmann in Lwówek, Marian Suwalski in Margonin, Jan Kaus in Mogilno, Piotr Mocek in Mosina, Feliks Łabędzki in Mrocza, Franciszek Sójka in Odolanów, Antoni Kozak in Opalenica, Stanisław Kotkowiak in Pogorzela, Jan Drożdżyński in Poniec, Wincenty Ciastowicz in Skoki, Piotr Zieleziński in Sulmierzyce, Antoni Przybylski in Wolsztyn, Władysław Lewandowski in Żnin. In Rawicz wurde Stanisław Mikołajewicz, der sich für die polnische Bevölkerung einsetzte und in einem Interniertenlager in Żagań an den erlittenen Verwundungen starb.
Dank den Maßnahmen der lokalen Kreise sind schon vor dem zweiten Weltkrieg (nach den Berechnungen aus den sechziger Jahren) ca. 40 Denkmäler, ca. 25 Gedenktafeln und ca. 60 Grabmäler entstanden. Die im Stil der Zwischenkriegszeit errichteten Denkmäler (die nach teilweiser oder vollständiger Zerstörung während der deutschen Besatzung wiederhergestellt wurden) kann man u.a. in Bieździadów, Janków Zaleśny, Lisewo Kościelne, Margonin, Paterek, Wysoka antreffen. Die Gräber mit prächtigen Grabmälern sind zum Beispiel an den Friedhöfen in Buk, Ceradz Kościelny, Czerniejewo, Kwilcz, Lubasz, Magnuszewice, Parzynów, Pleszew und Solec Kujawski erhalten geblieben.
Ein symbolisches Element der Durchkreuzung der fremden Herrschaft war das Aufstellen der aufständischen Denkmäler an der Stelle der abgerissenen Monumente zu Ehren der preußischen Streitkräfte, wie z.B. in Koźmin und Szamotuły. Andererseits hatten die sparsamen Großpolen nicht die Absicht, das Bestehende zu zerstören – so ist etwa das Säulen-Denkmal in Zduny ein deutsches Denkmal von Früher, das lediglich ein wenig umgestaltet wurde.
In den Zwischenkriegsjahren wurden unter den Opfern im Allgemeinen nicht die großpolnischen Aufständischen speziell hervorgehoben, aber man gedachte aller die in den Jahren 1918-1922 „im Kampf um die Grenzen der Rzeczpospolita Gefallenen“. Auf diese Weise wurde der riesengroße Wert gewürdigt, der in der Vereinigung der Teile eines sich jahrelang unter dem Einfluss der Teilungsmächte befindenden Landes bestand, und andererseits nahmen viele Polen an den mehreren Phasen des Aufbaus eines unabhängigen Polens teil (Entwaffnung der Deutschen in Kongresspolen, Großpolnischer Aufstand, die Schlesischen Aufstände, der polnisch-sowjetische Krieg, die Einnahme von Vilnius). Im Zusammenhang damit waren die im Jahr 1925 in Szamocin und fünf Jahre später in Chodzież errichteten Monumente – Denkmäler der Freiheit. Und das Posener Denkmal in der Ludogardy-Straße von 1927 ehrt die Soldaten des 15. Posener Ulanen-Regiments, welches die erste aufständische Kavallerie-Einheit war und später im polnisch-sowjetischen Krieg kämpfte.
Der zweite Weltkrieg war eine Zeit der Zerstörung der polnischen patriotischen Tradition, und die Andenken an den Großpolnischen Aufstand gehörten zu den von den Nazis am hartnäckigsten ausgerotteten Spuren unserer Geschichte. Viele von ihnen überdauerten bis heute, weil sie vor dem Auge der Deutschen verborgen wurden. Zwei Tafeln von einem Denkmal für die Aufständischen bewahrt das Regionale Museum in Międzychodzie auf, und eine andere originale Gedenktafel (von 1924) wurde im Jahr 1997 am Schulgebäude in Urbanów bei Opalenica aufgehängt. Im Jahr 1939 haben die Einwohner von Wągrowiec von dem 1926 errichteten Denkmal, die Medaillons mit den Namen der gefallenen Aufständischen aus dem Landkreis, abgenommen und versteckt; sie wurden erst im Jahr 1970 wieder aus der Vergessenheit hervorgeholt. Vor den Nazis wurden manche Elemente des Grabmals vom Friedhof in Rozdrażew versteckt. Im neuen Bahnhofsgebäude in Krotoszyn befindet sich die originale Gedenktafel aus dem Jahr 1932, die der Eisenbahnangestellte Robakowski aufbewahrte: das im Jahr 1959 an dieser Stelle ausgestellte Denkmal ziert ein originaler Adler von dem vorkriegszeitlichen Monument. Die Tabelle am Denkmal für die Aufständischen am Friedhof in Posen-Starołęka ist nur deswegen während des zweiten Weltkrieges erhalten geblieben, weil man sie mit einer Schicht Mörtel bedeckte.
Die Gedenkplätze wurden durch die Deutschen nicht immer vollkommen zerstört. Die Betrachtung der ihrer Tafeln und Inschriften beraubten Denkmäler, von denen die patriotischen dekorativen Motive (wie z.B. die Adler im Massengrab in Rosko) abgenommen wurden, musste für die Einheimischen sehr bedrückend sein und ein weiteres Element der Unterwerfung darstellen. Ein zerstörtes Denkmal am Friedhof in Szubin wurde speziell so belassen, als „Symbol der Barbarei der Nazis“.
Die Besatzungszeit hinterließ aber auch Stellen der Vernichtung und Gräber der durch die Nazis ermordeten Personen, die nur dafür sterben mussten, weil sie früher für die Freiheit ihrer Heimat kämpften. Im Park, bei dem Schießplatz von „Sokół” (Turnverein „Falke”) in Buk wurde ein Denkmal an der Stelle der Erschießung von zwei großpolnischen Aufständischen im Jahr 1939 aufgestellt. Mit einem Denkmal wurden in Mochy zwei Teilnehmer des Aufstandes, die 1920 gefallen sind, und zwei während der Besatzungszeit ermordeten Teilnehmer des Aufstandes geehrt. Eine Tabelle mit den Namen von 28 Aufständischen – Opfer der Nazis befindet sich am Friedhof in Leszno, in der Kąkolewska-Straße.
Nach der Beendigung des zweiten Weltkrieges wird ein Wiederaufbau aller Lebensbereiche im Land erforderlich. Unter den Objekten, die einen Wiederaufbau benötigen, befanden sich auch die Denkmäler für Aufständische, aber wegen dringenderer Bedürfnisse verlief ihre Rekonstruktion langsam. Seit 1948 war eine negative Bewertung des Großpolnischen Aufstandes verbreitet, deshalb sind in dieser Zeit keine neuen Denkmäler und Gedenktafeln entstanden; in vielen Fällen geschah dies übrigens an der Stelle der durch die Nazis zerstörten Objekte. Und gerade aus diesem Jahr stammt z.B. die aktuelle Gedenktafel an der Stelle des Todes von F. Ratajczak.
Ende der fünfziger und Anfang der sechziger Jahre befassten sich die Komitees für den Schutz der Denkmäler für den Kampf und das Martyrium (Ochrony Pomników
Walki i Męczeństwa) und der Verband der Kämpfer für Freiheit und Demokratie (Związek Bojowników o Wolność i Demokrację (ZBoWiD)) mit dem Gedenken an die Ereignisse von früher und mit der Pflege der an sie erinnernden Stellen. Im Rahmen von ZboWiD wurde eine Landeskommission der Veteranen des Großpolnischen Aufstandes mit dem Sitz in Posen gegründet. Die Erinnerung an die Ereignisse des Großpolnischen Aufstandes gehörte zu den offiziell erklärten Handlungen dieser Organisationen, allerdings war sogar schon die Inventarisation der bestehenden Denkmäler und Gedenktafeln problematisch. In diesem Bereich haben Instytut Zachodni (Westinstitut), die Universitäten in Posen und Thorn und die historische Kommission des Posener Kreises von ZboWiD gearbeitet, aber die Ergebnisse ließen zu wünschen übrig. Laut der Inventarisation im Jahr 1965 hatten wir 102 rekonstruierte Denkmäler und Gedenktafeln, die mit dem Aufstand in Verbindung standen, und 41 neue Gedenkobjekte. Die Aufstellung eines zentralen dem Aufstand gewidmeten Denkmals gestaltete sich problematisch. Der Gedanke an seine Errichtung entstand bereits im Jahr 1921. Jahrelang haben sich darum aufständische Kreise, Autoritäten und gewöhnliche Bürger bemüht. In der Zwischenkriegszeit standen politische Streitigkeiten und gewisse Differenzen zwischen den Großpolen und der zentralen Regierung der Verwirklichung dieser Initiative im Wege. Es sollte vielleicht an dieser Stelle bemerkt werden, dass die Aufständischen selbst spontan Gedenktafeln spendeten, um die in den Kämpfen um ein unabhängiges Polen gefallenen Kollegen zu ehren. Diese Gedenktafeln wurden in den Kreuzgängen der Kirchen aufgehängt, wo für sie alljährlich ein Gottesdienst abgehalten wurde, z.B. in der Stiftskirche in Środa Wielkopolska und in der Posener Pfarrkirche.
Nach dem Krieg war es wichtiger, an den Kampf gegen den Nationalsozialismus zu erinnern, und es mussten ganze 15 Jahre vergehen, bis das Thema in den Beratungen der woiwodschaftlichen Instanz der PZPR (Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei PVAP) berücksichtigt werden konnte. Man arbeitete lange an dem im Wettbewerb ausgewählten Projekt, weil seine Einzelheiten den Entscheidungsträgern nicht zusagten. Die Arbeiten verzögerten sich so sehr, dass am 45. Jahrestag des Aufstandes kaum der Gründungsakt eingemauert wurde, und im Jahr 1964 nur der 17 Meter hohe Säulenschaft des Denkmals entstanden ist, und erst im nächsten Jahr sind vom Steinmetz gefertigte Verkleidungen und Bronzen-Reliefs fertig geworden.
Die Enthüllung des Denkmals fand am 19. September 1965 statt. Sein Schöpfer war Alfred Wiśniewski (1916-2011) – Professor an der Hochschule der Bildenden Kunst in Danzig, ein gebürtiger Großpole (geboren in Rogoźno), Sohn eines Aufständischen. Es gelang ihm die moderne Form, Gebrauchseigenschaften und Anforderungen der damaligen Propaganda miteinander zu verbinden und gekonnt abstrakte und realistische Elemente zu kombinieren. Es ist auch gut, dass man nicht an Platz für das Monument sparte – der sich auf 0,6 ha erstreckt. Diese Lösung für das Denkmal wurde von der Gesellschaft akzeptiert und es finden an ihm alljährlich im Dezember offizielle Feierlichkeiten statt. Zum Glück gibt es bisher keine Forderungen nach einer Veränderung des Monuments oder seiner „Modernisierung“ – obwohl auch der „Zirkuswagen von Drzymala“ und die „Tätigkeit von Marcin Kasprzak unter den Arbeitern“ auch zu den aufständischen Traditionen gerechnet werden. Auch die symbolischen Gestalten eines Offiziers mit dem Säbel und eines Soldaten mit dem Gewehr, die frei von jeglichen „Klassenkonnotationen“ sind, wurden gut aufgenommen.
Einer der charakteristischen Züge der Zeiten der Volksrepublik Polen, insbesondere in der Zeit nach 1968, war das Gedenken an die großpolnischen Aufständischen gemeinsam mit den Opfern des zweiten Weltkrieges (in der Nomenklatur der damaligen Zeit waren das „Kämpfer für die Freiheit und Demokratie“). Beispiele für solche Lösungen sind die Denkmäler in Zbąszyn (1969), Szkaradowo bei Jutrosin (1969), Pępowo (1971), Opalenica (1977) und Kobylin (1979).
Nach Ende 1989 Anfang 1990 hörte das Thema der sog. nationalen Gedenkstellen auf, ein Element der staatlichen Propaganda zu sein, dafür erhielt es einen neuen Stellenwert bei der Aufrechterhaltung der lokalen Tradition. Die Aufgabe der Pflege der bestehenden Gedenkobjekte wurde nun der niedrigsten Stufe der Selbstverwaltung auferlegt – dem tatsächlichen Gebietsverwalter. Es sind Bedingungen für den Wiederaufbau der Denkmäler aufgetreten, die nach der Zerstörung in der Nazizeit noch nicht wiederhergestellt wurden. So wurde im Jahr 1990 ein Obelisk in Pogorzela aufgestellt, und ein Jahr zuvor wurde ein Denkmal für die Aufständischen in Międzychód enthüllt (im Jahr 2002 wurde es durch eine Tafel mit den Namen der Gefallenen vervollständigt).
Im Jahr 1992 wurde das Denkmal in Gębice bei Mogilna wiederaufgebaut, und im Jahr 1999 in Terespotockie bei Opalenica und Zaniemyśl. Die Freiheitsdenkmale wurden im Jahr 1993 in Szamocin und im Jahr 2018 in Chodzież rekonstruiert. Ein neues Denkmal wurde in der Nähe der Stelle, an dem das zerstörte Denkmal von früher stand, im Jahr 2004 in Opalenica enthüllt. Im Jahr 2016 wurde in Brzoza bei Bydgoszcz an der Stelle des bisherigen Denkmals das Denkmal aus der Vorkriegszeit wiederhergestellt.
Die bestehenden Denkmale, Gedenktafeln und Gräber werden erneuert und modernisiert. Im Allgemeinen wird die Originalform des Denkmals sorgfältig restauriert, die zerstörten Elemente werden rekonstruiert und manchmal werden sie durch neue Elemente ergänzt (wie etwa die Replik der vorkriegszeitlichen Statue des Aufständischen, die im Jahr 2014 an einem Grab in Buk aufgestellt wurde). Manchmal erhalten aber die Denkmale eine völlig neue Gestalt, die gar nicht mehr an ihre ursprüngliche, originale Form erinnert; so verfuhr man mit den Grabmalen von Łukasz Kulik in Łowyń bei Międzychód (1996) und bei Andrzej Kaczmarek in Borek bei Jutrosin (2003), die wie andere moderne Werke der lokalen Steinmetze aussehen.
Eine besondere Anerkennung verdient die Regelung der Denkmal-Angelegenheit in Międzychodzie. Das Denkmal vor dem Gebäude der Stadt- und Gemeindeverwaltung war den großpolnischen Aufständischen und den Opfern des zweiten Weltkrieges gewidmet. Nach der Wiederherstellung des vorkriegszeitlichen Denkmals in der Dworcowa-Straße gilt das bisherige Monument nur noch den Opfern aus den Jahren 1939-1945.
Es entstehen auch weiterhin Denkmale und Gedenktafeln, und zwar vorwiegend an repräsentativen Punkten der gegebenen Orte. Unter ihnen befindet sich ein Denkmal in Grabów nad Prosną (1999) und in Złotniki Kujawskie (2009), Gedenktafeln an den Marktplätzen in Kępno (1995), Czarnków (2004) und Swarzędz (2005), in der Kirche in Łowyń (2002), an der Friedhofspforte in Skoki (2003), in der Schule in Łomnica bei Zbąszyn (2004) und an der Verteidigungsmauer in Sulechów (2002), die Gedenkfelsen neben der Schule in Miedzichowo (1998), an den Kreuzungen der Hauptstraßen in Powidz (1991), Piła (1999) und in Walkowice bei Czarnków (2001), auf dem Friedhof in Zielona Góra (1999) und an der Eisenbahnstation in Chodzież (2004). Es sind auch Denkmale in Form von Statuen der Aufständischen erschienen: in Boguszyn bei Śmigiel (2008), in Grodzisk Wielkopolski (2013), in Wolsztyn (2014).
Man ruft auch die lokalen Episoden des Aufstandes in Erinnerung, so etwa wurde das historische Ereignis, als zum ersten Mal eine polnischen Flagge über der Stadt aufgehängt wurde, mit einem Gedenkstein neben dem Wasserturm in Śrem (2007) verewigt.
Es wird auch an die einzelnen Teilnehmer des Aufstandes gedacht, wie z.B. an: Józef Raczkowski in Chodzież (2002), Gerard Pająkowski in Gniewkowo (2003), Jan Mertka in Przygodzice (2004), Jan Rzepa in Wronki (2006) und Andrzej Kopa in Trzcielin (2006).
General Józef Dowbor-Muśnicki wurde an einer besonderen Stelle in Lusowo geehrt, wo in der im Jahr 1996 zur Nutzung freigegebenen neuen Schule eine Gedenkstube eingerichtet wurde, die 12 Jahre später in das durch die Selbstverwaltung der Gemeinde Tarnowo Podgórne gegründete Museum der Großpolnischen Aufständischen verlegt wurde.
Das sich entwickelnde Interesse an den historischen Ereignissen aus dieser Zeit hat zur Entstehung der Gedenkstellen neuer Art geführt: nämlich der Gedenktafeln, die die Namen der Teilnehmer des Aufstandes aus dem gegebenen Ort oder der gegebenen Pfarrei anführen. Die erste solcher Tafeln war eine große Platte auf dem Friedhof in Środa Wielkopolska, die im Jahr 2005 entstanden ist. Weitere wurden u.a. in Buk (2008), Dopiewo (2008), Margonin (2014), Miedzichowo (2014), Opalenica (2006), Wilkowyja (2009) ausgestellt; es gibt auch einen Gedenkstein mit einer solchen Tafel in Otusz (2014). Die Schwierigkeiten mit der Erfassung aller Aufständischen sind am deutlichsten in Wiry zum Vorschein gekommen: neben der Gedenktafel mit 30 Nachnamen aus dem Jahr 2006 musste man zwei Jahre später eine zweite mit 13 Aufständischen enthüllen, und bald bekam man neue Informationen, dass weitere Personen gefunden wurden, deren man gedenken sollte.
Die letzten Jahre brachten noch eine andere Art der Erinnerung an den Aufstand mit. Die sich entwickelnde Kunst der großflächigen Fassadenmalerei („Murals“) hat auch historische Ereignisse, darunter den Großpolnischen Aufstand, in ihr Repertoire aufgenommen. Die Wandbilder wurden für gewöhnlich auf eine gesellschaftliche Initiative hin, mithilfe der organisatorischen und finanziellen Unterstützung der lokalen und örtlichen Selbstverwaltungen ausgeführt. Eine besondere Rolle spielten bei diesen Vorhaben die Fans von „Lech“ Poznań. Die dem Aufstand gewidmeten Wandbilder kann man in Chodzież (ul. Podgórna; 2017), in Czerwonak (Feuerwache OSP; 2015), Gniezno (an zwei Stellen; 2013), in Jarocin (Siedlung Rzeczypospolitej; 2016), in Lusowo (an der Einfahrt in das Dorf; 2013), in Nowy Tomyśl (ul. Komunalna; 2014), in Opalenica (ul. 5 Stycznia; 2015), in Ostrów Wielkopolski (ul. Kościuszki; 2012), in Piła (ul. Sikorskiego; 2015), in Rogalinek (Wartehäuschen; 2018), in Rzadkowoo bei Piła (an der Hauptstraße; 2015), in Śrem (ul. Wojska Polskiego; 2016), in Świebodzin (am Gebäude der Stadtverwaltung; 2013), in Zdziechowa (Haltestelle; 2016) bewundern. Ein riesiges Wandbild, das drei mit den aufständischen Handlungen im damaligen Gebiet verbundene Personen zeigt, wurde im Jahr 2015 an der Wand des Gebäudes an der Zdunowska-Straße in Krotoszyn angefertigt. Im Jahr 2017 wurde mit einem achtteiligen Wandbild mit der Aufstand-Thematik die Wand der Sporthalle in Buk geschmückt. Das erste der Wandbilder, das im Jahr 2012 in Posen neben dem Polnischen Theater gemalt wurde, ersetzte im Jahr 2018 eine große Komposition auf dem Mietshaus in der Straße Dąbrowskiego 33.
Es ist unbestritten, dass der Großpolnische Aufstand inzwischen zu einem wichtigen Element der Tradition der Region wurde, weshalb man auch auf die weiteren Formen seines Gedenkens gespannt sein darf.